Brasilien 2014

Copa 1950 und 2014


DIE FUSSBALL-WM KOMMT ZURÜCK NACH BRASILIEN!
Die Fussballweltmeisterschaft findet 2014 wie erwartet in Brasilien statt. Das Exekutivkomitee der FIFA erteilte heute 30. Oktober den Zuschlag.
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Die Fussballweltmeisterschaft – das grösste Ereignis des populärsten Sports unserer Zeit – findet 2014 (nach 1950) zum zweiten Mal in Brasilien statt. Blicken wir doch einmal zurück auf jenes erste Turnier voller Überraschungen, einer wahrhaftigen brasilianischen Tragödie mit einer Pokalübergabe im Keller des Stadions.

DIE TRAGÖDIE DER “COPA 1950”

Am 16. Juli jenes Jahres erfüllte sich das letzte Kapitel in der Geschichte der Vierten Fussball-Weltmeisterschaft. Eine Geschichte, welche zwölf Jahre zuvor, 1938, begann, als der Journalist Célio de Barros, Repräsentant des CPD beim Kongress der FIFA in Paris, die Kandidatur Brasiliens als Organisator der “Copa von 1942” ankündigte. Obwohl Jules Rimet (FIFA) eine grosse Sympathie für die Brasilianer hegte, machte er doch deutlich, dass die Kandidatur Brasiliens ein bisschen verspätet sei. Deutschland hatte sich bereits seit seiner hervorragenden Organisation der Olympischen Spiele, 1936, um das Privileg bemüht, die Fussball-Weltmeisterschaft 1942 organisieren zu dürfen. Natürlich versprach die FIFA, beide Kandidaturen genau zu studieren – aber es war ziemlich sicher, dass Brasilien noch mindestens bis 1946 würde warten müssen.Ein Jahr später, im September 1939, kam Jules Rimet mit einem Freund an einem Zeitungskiosk in der Avenida Rio Branco, in Rio de Janeiro, vorbei, wo er eine Menge von Einheimischen bemerkte, die vor einem ausgehängten Nachmittagsblatt entweder hockten oder knieten, um wenigstens die Titelüberschriften zu lesen. Dort stand fett “Deutschland ist in Polen eingefallen” Diese Nachricht, übersetzt von seinem Freund, versetzte Jules Rimet einen tiefen Schock. Er befand sich just in Rio de Janeiro, um vor Ort die Kandidatur zu studieren, welche ein Jahr zuvor von Brasilien angeboten worden war – und jetzt plötzlich veränderte der Krieg alles.Wie immer, konzentrierte Jules Rimet alle seine Gedanken auf den Fussball. Selbst als die Bomben der Nazis das Herz Europas erschütterten, beschäftigte er sich mit der Fussball-Weltmeisterschaft. Monate später, als er erfuhr, dass Italien ebenfalls am Krieg teilnehmen würde, plagten ihn starke Zweifel. Und der Pokal? Was würden die Italiener wohl mit dem Pokal anfangen? Eine endlos scheinende Zeit verging quälend langsam, bis Jules Rimet und die Welt von jenem schrecklichen Albtraum des Krieges erwachten und wieder von Fussball träumen durften. Und, dank einer heroischen Geste des Ingenieurs Ottorino Barassi, entging der Pokal dem von allen befürchteten Schicksal, im Schutt des Krieges unterzugehen. Weil er fürchtete, dass der Pokal vielleicht von Mussolini konfisziert werden könnte, oder in die Hände der Nazis fallen könnte, floh Barassi gleich zu Kriegsbeginn mit dem “Pokal Jules Rimet” in die Schweiz. Die aus massivem Gold geformte Göttin bekam ihren Platz in den Safes der FIFA, bis zum Tag der Wiederherstellung des Friedens.

1946 war es dann endlich soweit, der Frieden war wiederhergestellt, und der erste Nachkriegskongress der FIFA fand in Luxemburg statt. Da Deutschland ausserstande war zu kandidieren, blieb Brasilien der einzige Kandidat für die Organisation der nächsten Weltmeisterschaft, angesetzt für 1949 und, ein Jahr später, verschoben auf das Jahr 1950. Der Präfekt von Rio de Janeiro, General Angelo Mendes de Moraes, versprach ein grosses Stadion zu bauen zu diesem Anlass. Der brasilianische Sportbund CBD (heute CBF) schlug der FIFA ein neues System für die Spiele vor, die in Brasilien stattfinden würden: Sechzehn Endspiele verteilt auf vier Gruppen zu je vier Teilnehmer-Teams. Innerhalb jeder Gruppe sollten die einzelnen teilnehmenden Länder gegeneinander antreten, die Sieger jeder Gruppe wiederum begegneten einander in den Endrunden. Endsieger und Champion das Land, welches insgesamt die meisten Punkte zu verzeichnen hätte. Im Prinzip verwarf die FIFA jene Änderungsvorschläge. Henri Delaunay, der inzwischen Präsident der FIFA geworden war, vertrat die Ansicht, dass ein verändertes Reglement den Geist der “Copa” verändern könnte. Da drohte der CBD mit der Rücknahme seiner Kandidatur, falls der Vorschlag nicht angenommen würde. Endlich einigte man sich 1948: die “Copa » würde in Brasilien stattfinden, und der neue Reglement-Vorschlag von den Brasilianern wurde auch angenommen. Noch im selben Jahr begannen die Vorbereitungen zum Bau eines neuen Stadions, welches auf dem Gelände des Derby-Clubs entstehen sollte. Es waren nur noch wenig mehr als zwei Jahre bis zur Weltmeisterschafts-Eröffnung, als man den Grundstein für’s Maracanã-Stadion legte. Andere Stadien in São Paulo, Belo Horizonte, Porto Alegre, Curitiba und Recife sollten erweitert und neu modelliert werden.

Auf der einen Seite glänzte diese vierte Fussball-Weltmeisterschaft mit zwei illustren Teilnehmer-Equipen – der von Uruguay, die nach zwanzig Jahren der Abwesenheit wieder um den goldenen Pokal kämpfen wollte, und die Nationalmannschaft aus England, welche sich endlich der FIFA angeschlossen hatte. Auf der anderen Seite verlor die Veranstaltung auch an Prestige wegen einiger fehlender, ebenso illustren Mannschaften: Ungarn, Tschechoslowakei und Polen hatten nicht einmal bei den Ausscheidungsspielen mitgewirkt. Österreich hatte seine Teilnahme angekündigt, später aber zurückgezogen. Deutschland, ausgebrannt vom Krieg, besass nicht einmal eine Nationalmannschaft. Die Türkei, Indien und Schottland – obwohl bei den Ausscheidungsspielen erfolgreich – zogen vor, nicht nach Rio zu reisen. Frankreich, Portugal und Irland – eingeladen, um diese Lücken zu füllen – schlugen die Einladung aus. In Südamerika traten Argentinien, Peru und Ekuador zurück. Resultat: von sechzehn Mannschaften kamen gerade mal dreizehn nach Brasilien.

Trotzdem kümmerte sich hier in Brasilien niemand um diese fehlenden Teams – es sei denn, natürlich, die Dirigenten des CBD – stets besorgt um einen finanziellen Flop. Aber der Fan, das breite Volk, die dachten einzig und allein an ihre “Seleção”, deren Training vier Monate vor ihrem Auftritt begann.

203.850 Zuschauer im neu errichteten Maracana-Stadion erlebten schliesslich ein geradezu traumatisches Ereignis – einen Massen-Albtraum: Nach ihrem 7:1 Sieg über Schweden und einem bejubelten 6:1 gegen die Spanier wären die Gastgeber schon mit einem Unentschieden gegen Uruguay Weltmeister geworden. Man war siegessicher – der CBD beschenkte bereits vor dem Endspiel seine Champions mit goldenen Uhren, in welche die Aufschrift “den Champions” eingraviert war. Doch es kam ganz anders – schrecklich anders sogar: Die Uruguayer machten von Anfang an Druck – soviel Druck, dass die Brasilianer nicht zu ihrem gewohnten Spiel fanden – und als dem Rechtsaussen Frica schliesslich ein Tor gelang, konterte Uruguay mit Schiaffino – und Ghiaggia schoss zu allem Überfluss zehn Minuten vor Spielende zum “tödlichen” 2:1 ein.

Uruguay war damit zum zweiten Mal Weltmeister und Brasilien gedemütigt – ein nationales Trauma kündigte sich an. Zuschauer wie Spieler trollten sich vom Feld – in Tränen aufgelöst. Einer sprang von der Tribüne in den Freitod. In den folgenden Wochen Herzattacken und Anstieg der Selbstmordrate im ganzen Land. Man war so tief verletzt, ja verängstigt, dass die weisse Spielerkleidung von damals für alle Zeiten verdammt wurde – sie hatte ihnen nur Pech gebracht, Pech wie nie zuvor!

Im Zentrum der allgemeinen Kritik stand monatelang Moacir Barbosa, der bedauernswerte brasilianische Torhüter, weil er beim entscheidenden Tor im Endspiel ziemlich belämmert ausgesehen hatte. Von diesem Makel hat er sich nie mehr erholt: Als er 1993, schon in fortgeschrittenem Alter, beim Training der brasilianischen Auswahlmannschaft zuschauen wollte, liess man ihn nicht ein, aus Angst, er würde der Equipe Pech bringen.

Der Pokal für den Vize-Weltmeister von 1950 wurde den Brasilianern damals vorsorglich im Keller des Stadions übergeben – da man gewaltsame Übergriffe aus den Reihen des bitter enttäuschten Publikums befürchtete.

In diesen 6 Stadien wurde um den WM-Titel gespielt:
Belo Horizonte, Estádio Raimundo Sampaio
Curitiba, Estádio Durival Britto e Silva
Porto Alegre, Estádio dos Eucaliptos
Recife, Estádio Ilha do Retiro
Rio de Janeiro, Estádio Jornalista Mário Filho
São Paulo, Estádio do Pacaembu